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Fernseher II

Der Fernseher als Wohnskulptur

Fernseher "Nordmende Spectra 63", Bundesrepublik Deutschland, um 1975, Acrylnitril-Butadien-Styrol, K-2009-00207

Im Wohnzimmer des späten 20. Jahrhunderts gehörte der Fernseher sicher zu den wichtigsten Einrichtungsgegenständen. In der Welt der Globalisierung und des World Wide Web am Beginn des 21. Jahrhunderts verlieren stationäre Geräte jedoch zunehmend ihre dominante Rolle. Die sperrige und schwere Bildröhre aus Glas verschwindet zugunsten des Flachbildschirms, der wie ein Bild an die Wand gehängt werden kann. Im Jahr 2009 bekam der KMV Beispiele dieses einstigen Statussymbols des bürgerlichen Wohnzimmers geschenkt, die zwei sehr unterschiedliche Strömungen im Industriedesign in exemplarischer Weise illustrieren können.

Deutsches Design stand seit den 60er Jahren ganz im Zeichen des Funktionalismus. Der Apparat „Nordmende Spectra 63“ aus dem Jahr 1975 ist ein charakteristischer Vertreter dieser Stiltendenz: kantige Formen in sachlichem Weiß zeugen von technischer Brillanz und Leistungsfähigkeit. Es dominieren waagerechte und senkrechte Linien, die wie ein Nachklang der Abstraktionen des Malers Piet Mondrian wirken. Die zeitgenössische Hippiekultur hat keine Spuren hinterlassen. Ansehnlich gestaltet ist nur die Frontseite, wahrscheinlich sollte das Gerät in einer der damals beliebten massiven Systemwände mit Regal und Schrankelementen eingepasst werden, so dass die Seiten oder gar die Rückenpartie ohnehin nicht  gesehen werden konnten.

Fernseher "Colani TV 72-400H", RFT Stassfurt, Design Luigi Colani, Bundesrepublik Deutschland 1996, Acrylnitril-Butadien-Styrol, K-2009-00019

Ganz anders dagegen der Fernseher „RFT TV 72-40000 H“, den einer der bekanntesten deutschen Designer, Luigi Colani, nach der Wiedervereinigung für den ehemaligen Volkseigenen Betrieb RFT Stassfurt entworfen hat. Colani, bekannt für seine bewusst gegen den Strich gebürsteten Entwürfe verschiedenster Alltagsgegenstände, gibt auch dem Fernseher, die organischen Formen, die seine Arbeit auszeichnen. Vor vorne bemerkt man zunächst nur die sinnlichen Kurven des den Bildschirm umrahmenden Gehäuses und des Fußes.

Erst von der Seite und von hinten entfaltet der Apparat geradezu skulpturale Qualitäten. Die Rückseite wird von einem elegant geschwungenen Element beherrscht, das wie ein Griff gestaltet ist. Das 25 kg schwere Gerät an diesem Griff hochzuheben, schafft aber höchstwahrscheinlich nur ein Gewichtheber.  Das dunkelblaue Gehäuse mit Metallic-Effekt ist ebenfalls untypisch für Unterhaltungselektronik in den 1990ern, die meist farblich sehr zurückhaltend in Anthrazit und Schwarz gehalten war.

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