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Polyamide

1938: Polyamid

Es hat eine Weile gedauert, bis es soweit war, aber als das erste Polyamid auf den Markt kam, war es sofort der Renner. Die Rede ist vom Nylon-Strumpf. 

Sein Erfinder, der Amerikaner Wallace Hume Carothers, hat den durchschlagenden Erfolg von Nylon nicht mehr erlebt. Seit 1929 leitete er eine Gruppe von Forschern bei Du Pont de Nemours (USA), die die Grundlagen der Polymere und deren technische Anwendung erkunden wollte. 1930 wurde erstmals der erste Faden aus einer synthetischen Faser hergestellt. Die Forscher konnten ganz nebenbei einen Effekt beobachteten, der heute in der Technik des "Kaltziehens" genutzt wird. Wenn man nämlich an diesem Faden zog, riss er nicht, sondern wurde im Gegenteil fester, stabiler und zudem auch noch durchsichtiger. Es sollte aber noch weitere sieben Jahre dauern, bis das Polyamid 6.6 produktionsreif und patentiert war. Dann aber wurden die ersten 6 Millionen Paar Nylon®-Strümpfe binnen nur 4 Tagen verkauft.

Etwa zeitgleich mit Carothers arbeitete Paul Schlack bei der I. G. Farben AG (Deutschland) ebenfalls an Polyamiden. Aus Geldmangel musste er während der Wirtschaftskrise seine Versuche zunächst einstellen. Als er sie wieder aufnahm, hatte die amerikanische Firma Dupont de Nemours die Nylonproduktion bereits - wie sie glaubte - wasserdicht patentieren lassen. Schlack fand dennoch einen Weg, indem er einen Ausgangsstoff benutzte, den Carothers ausdrücklich ausgeschlossen hatte (Caprolactam). Er nannte sein Produkt "Polyamid 6", bekannt geworden unter dem Namen Perlon®. 

Ob nun Nylon oder Perlon, mit den Textilien erreichten die Polyamide ihren Durchbruch, denn hier konnten sie ihre Eigenschaften voll ausspielen: Im Aufbau ähneln sie den natürlichen Eiweißstoffen, wie z.B. der Seide; jedoch sind sie weitaus reißfester, scheuerfester und längst nicht so teuer. Die Anwendungen reichen aber weit über die Faserherstellung hinaus: Obgleich sie chemisch zu den Harzen gehören, d.h. Duroplasten ähneln, können sie wie Thermoplaste praktisch mit allen Techniken weiterverarbeitet werden. Damit sind auch die Anwendungsbereiche nahezu unbegrenzt: Automobilindustrie, Elektronik und Elektrotechnik, Türgriffe, Präzisionsteile, Folien, chirurgische Instrumente … 
und natürlich: Strümpfe.

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