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Bambino

Schreiben wie die Großen

Ein beliebtes Sammlerstück ist heute, vor allem bei Fans von Bakelit (Phenoplasten), die Kinderschreibmaschine „Bambino“. Sie wurde seit etwa 1950 im VEB Optima Büromaschinenwerk in Erfurt hergestellt. Dieses ging aus dem Olympiawerk in Erfurt hervor und produzierte vor allem die mechanischen Schreibmaschinen der Marke „Optima“, die neben der in Dresden produzierten „Erika“ zu den wichtigsten Schreibmaschinen aus DDR-Produktion gehörten.
Das Gehäuse der Bambino bestand in der ersten Zeit aus dunkelrotem oder dunkelgrünem Phenoplast, gegen Ende der 50er Jahre tauchen auch Varianten in Quietschrot und Himmelblau aus Melaminharz auf. Die Mechanik ist natürlich aus Metall, die Walze aus Gummi, die Knöpfe bestehen aus Polystyrol. Wie viele „Kunststoffklassiker“ der DDR wurde die Kinderschreibmaschine sehr lange in der Form unverändert produziert und in einem passenden Koffer mit Metallbeschlägen ausgeliefert.

Der Praxiseinsatz (Foto aus der Bedienungsanleitung)

Die gerundete Formgebung des Gehäuses hat noch Wurzeln im beliebten Stromliniendesign der Zeit kurz vor und nach dem Krieg. Vielleicht handelt es sich um einen älteren Entwurf aus Zeiten von Olympia, der wegen der Materialbeschränkungen während des Krieges – ab 1939 dürfte Kunststoff fast nur noch für militärische Zwecke verwendet werden – nicht in Serie ging.
Die Funktionen sind kindgerecht einfach: der Buchstabe wird mit dem handlichen Wahlhebel angesteuert, mit einem Druck auf die verschieden gefärbten Tasten, die die Farben auf der Wahltafel aufnehmen - schwarz für Klein-, grün für Großbuchstaben und rot für Zahlen und Satzzeichen - wird das gewünschte Zeichen aufs Papier gebracht. Erstaunlich fortschrittlich ist die Technik der Typenwalze, die es erlaubte, im Gegensatz zu der gängigen Typenhebelschreibmaschine, durch Austauschen der Walze verschiedene Schriftarten mit einer Maschine zu schreiben. Ein Prinzip, das erst sehr viel später mit den Kugelkopf- und Typenradschreibmaschinen in den Büroalltag Einzug hielt.

Die Funktionsweise der Bambino findet sich schon bei der Schreibmaschine "Gundka 5", die 1924 von den Gundkawerken in Brandenburg/Havel auf den Markt gebracht wurde. Das Gehäuse und die Bedienelemente bestehen noch aus Metall, die Maschine ist fest mit einer Holzplatte verschraubt, die den Boden des Koffers bildet, den eine Haube aus Blech komplettiert. Dadurch fehlt ihr die schnittige Form und Handlichkeit des späteren Nachfolgers mit Kunststoffgehäuse.
Die Produktion der Bambino in einem Büromaschinenwerk zeigt die Qualität des Objekts und den Stellenwert, dem man dieser Form von Spielwaren, die den kindlichen Nachahmungstrieb von „erwachsenen“ Tätigkeiten förderten, zumaß. Die kindliche Freude am eigenen „Druckwerk“ macht das Erlernen des Schreibens mittels einer Maschine zum Kinderspiel.

 

 

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